Gegenwart
5-02-4 Gegenwart
Aktuelle Zahlen geben Aufschluss über das heimische Eis und seine Eigenschaften.
Der Ist-Zustand der Gletscher in Österreich
Das fünfte österreichische Gletscherinventar (AGI5) weist für den Erfassungszeitraum 2021–2023 eine verbleibende Gesamtfläche von 285 ± 12 km² auf, die sich auf 799 verbleibende Gletscher verteilt. Der Flächenverlust hat sich im Vergleich zu älteren Gletscherinventaren weiter beschleunigt.
Die Datengrundlage des fünften österreichischen Gletscherinventars (AGI5) zur Dokumentation des Gletscherstandes der Jahre 2021–2023 basiert primär auf der visuell-manuellen Auswertung hochauflösender, regionaler Orthofotos mit einer räumlichen Auflösung von 10 bis 25 cm, welche im Bedarfsfall durch digitale Geländemodelle aus flugzeuggestütztem Laserscanning sowie hochauflösende Satellitendaten ergänzt wurden. Im Vergleich zum dritten österreichischen Gletscherinventar (AGI3 2004-2012) verzeichnet die Gletscherfläche einen Rückgang um 31 %, wobei 95 Gletscher vollständig abgeschmolzen sind. Gleichzeitig hat sich die mittlere jährliche Verlustrate von 1,6 % im vorherigen Vergleichszeitraum auf aktuell 3,4 % erhöht. Diese Beschleunigung spiegelt den seit 1980 besonders starken Temperaturanstieg und Eintritt ins Treibhauszeitalter verzögert wider.
Treibhausklima lässt Gletscher schrumpfen
Neben dem Massenverlust aufgrund des Temperaturanstieges wird eine typische Klima-Gletscher-Reaktion deutlich: Besonders kleine Gletscher haben weniger stark verloren als große. Sie konnten sich einerseits bereits an das geänderte Klima anpassen, andererseits liegen sie meist höher und haben geringere Abschmelzraten zu verzeichnen. Große Gletscher haben meist lange, niedrig gelegene Zungen mit noch sehr dickem Eis, was zu hohen Abschmelzraten und Volumenverlusten aber nur zu geringen Flächenverlusten führt. Vergleicht man die Eisdickenabnahmen der Pasterze (Abb. 1) zwischen den Gletscherinventaren miteinander, so sieht man deutlich, dass sich die Eisdickenverluste zuletzt verstärkt haben. Während der Gletscher zwischen 1969 und 1998 im Mittel 18,7 Meter an Eisdicke verloren hat, waren es in den darauffolgenden 14 Jahren von 1998 bis 2012 sogar 19,8 Meter. Die Rate des Höhenverlustes hat sich also mehr als verdoppelt von 0,65 Meter pro Jahr auf 1,41 Meter pro Jahr. Vor allem die Höhenverluste unterhalb des Hufeisenbruches, also auf der Pasterzenzunge, sind in der letzten Messperiode deutlich angestiegen mit Maxima über acht Meter pro Jahr im vordersten Bereich.
Abb. 1: Vergleich der jährlichen Abnahme der Eisdicke der Pasterze für den Zeitraum 1969-1998 und 1998-2012 (GeoSphere Austria, Department Klima-Folgen-Forschung, interne Daten).
Besonders große Gletscher sind betroffen
Über die absolut in Österreich vorhandenen Eisvolumina weiß man weit weniger gut Bescheid als über die oben beschriebenen relativen Volumenänderungen zwischen zwei Zeitpunkten, die aus digitalisiertem Kartenmaterial und Luftaufnahmen berechnet werden können. Das liegt am hohen Aufwand von Eisdickenmessungen, die in mühevoller Kleinarbeit für jeden Gletscher z.B. mit Radargeräten einzeln durchgeführt werden müssen. Für nur 66 österreichische Gletscher gibt es derartige Messungen. Da die meisten großen Gletscher erfasst wurden, ist aber das Volumen von immerhin 40 % der Gesamtfläche aller Gletscher in Österreich bekannt. Das Eisvolumina aller Gletscher wird auf ca. 12,4 km³ (Stand 2016) geschätzt.
Literatur:
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